Vielfalt Anthroposophie in der Region Freiburg

Mensch?! - Vielfalt Anthroposophie in der Region Freiburg

 

Wie schafft man es, das ganze Anthroposophische Leben einer Region zu sammeln, zu verbinden und zu zeigen? Diese Frage stand am Anfang, als sich 2015 das junge Initiativteam des Rudolf Steiner Hauses in Freiburg begann der Erneuerung zu widmen.

Sie planten einen ganz großen Wurf, liessen sich eineinhalb Jahre Planungszeit und bestimmten Christine Lempelius zur Projektleiterin.

Das Ergebnis war am 22. und 23. September in Freiburg zu sehen. Der Ort: eine der großen Waldorfschulen. Das Wochenende: prall gefüllt mit Konkurrenz – Veranstaltungen aller Art. Die bange Frage: wird überhaupt jemand kommen?

Sie kamen. 1300 Menschen zum Festtag, 420 zum Auftakt. Das Angebot ist riesig. Workshops, Podiumdiskussion, Kurzreferate, Kinderprogramm, feinstes Essen, jede Menge Infostände. Und worum geht es?

Nur um den Menschen. „Zeigt Euch, damit wir sehen können, um was es Euch geht:“ so hatten die Veranstalter all die Einrichtungen und Initiativen anthroposophischer Art aufgefordert. Und sie zeigten sich. Als Menschen mit Ideen, mit Fähigkeiten, mit Möglichkeiten, als konkrete Weltveränderer dadurch, dass sie ihre Impulse leben.

In der Anfangsfeierstunde: fast wie eine Monatsfeier nur viel besser: das Orchester der Schule – so viele – so sauber – so hinreissend. Danach Eurythmie, von Elftklässlern der größten Behinderteneinrichtung: der berührendste Moment des Tages. Der Körper verweigert manche Bewegung- ätherisch ist sie vollendet da, hervorgebracht mit einer Hingabe, die uns Normalen so schrecklich oft fehlt. Dann die 4. Klasse mit Zaubrergedicht zum Schmunzeln und ein Chorensemble zum Abschluss. Durchmoderiert von den Stars des Tages: Voilivoilá: unfassbar komisch, dramatisch akrobatisch, dazu noch hochmusikalisch. Hinter mir schluchzt ein Geschäftsmann vor Lachen und stöhnt: ich kann nicht mehr.

So gehobener Stimmung geht es in die Tiefe. Man kann sich verteilen oder gleich zu den Kurzreferaten im Saal bleiben. 20 Minuten hat jeder Redner, der stellvertretend für ein Anthroposophisches Lebensfeld steht. Was sagt man in so kurzer Zeit? Fast alle haben sich zum Wesentlichen und Authentischen durchgerungen. Da vorne steht ein Mensch, der sich auf seinem Felde bemüht, ein echter Mensch zu sein. Das wird erlebbar: höchste menschliche Qualität – lauter kleine Davids vor dem Goliath der Fragen und Probleme, die die Welt heute vor uns hinstellt. Ich gehe ermutigt heraus.

In den Workshops – Fülle. Viele haben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet. Das Interesse ist tief und echt – überall entsteht etwas, manchmal improvisiert vor dem Ansturm.

Die Kinder sind überall – und stören nirgends. Sie strömen mit. Für sie ist überall gesorgt. Keine Generation ist ausgelassen. Kinderwagen neben Rollator. Alles ist willkommen.

Als der Abend sich neigt, bin ich satt. Satt an Eindrücken. Satt an Begegnungen. Satt an Tiefe und Heiterkeit. Es wird für Wochen reichen, was da alles in mir klingt. Es wird Zukunft hervorbringen. Wir Besucher sind reich beschenkt. Und die Freiburger? Man möchte den anfänglichen Satz umformulieren: „Zeigt Euch, damit Ihr Euch selbst erkennt.“ Das haben sie vorgelebt, vorbildlich, sich selbst und einander erkennend und erlebend.

So wird Zukunft in Anthroposophischen Handeln sichtbar. Danke an alle Mitwirkenden.

Alexandra Handwerk